"Glaube braucht Heimat"
Manifest für eine lebendige Kirche vor Ort
Gegen die Anonymisierung unseres Glaubens
Für den Erhalt der Pfarreien im Erzbistum Paderborn



Reaktionen aus dem Umfeld:




Zur Zukunft von Glaube und Kirche:
(Erfahrungen eines Pfarrers im Ruhestand)

Als ich im letzten Jahr von den Plänen der Leitung des Erzbistums Paderborn erfuhr, die mehr als 600 Pfarreien und Pfarrvikarien wegen des Priestermangels zusammenzulegen zu 21 Einheiten (Pfarreien?), da bin ich zutiefst erschrocken. Anders gesagt: Ich war zutiefst enttäuscht.

Zwar wurde als ein Grund für diese Pläne auch die abnehmende Zahl der Katholiken genannt, aber mir war sofort klar, dass es dabei eigentlich um die rapide abnehmende Zahl der Priester ging. Das bedeutet zugleich, dass den "Laien" in den bisherigen Gemeinden, in den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen, nicht zugetraut wird, ihre Gemeinden lebendig und zuverlässig zu leiten, auch nicht, wenn sie in gutem Kontakt zu den Priestern ihrer Region bleiben würden. Es gibt also in den Kirchenleitungen auf der Bistumsebene kein oder zu wenig Vertrauen in die "Laien". Also ist die ganze geplante Strukturreform in unserem Erzbistum Paderborn (aber natürlich auch in den anderen Bistümern Deutschlands) mit dem Stichwort "Klerikalismus" zu bezeichnen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit den "Laien" sehen ganz anders aus. Ich war als Vikar und Pastor/Pfarrer in sehr unterschiedlichen Pfarreien bzw. Kirchengemeinden tätig: Zunächst fast fünf Jahre als Vikar in Warburg in Ostwestfalen, einer Stadt mit damals ca.10.000 Einwohnern (und ab und zu auch in den Dörfern der Umgebung), dann fast sieben Jahre in Hombruch, einer großen Kirchengemeinde der Großstadt Dortmund (und teilweise auch in den Nachbargemeinden Dortmund-Eichlinghofen, Dortmund-Löttringhausen und Dortmund-Kirchhörde, dann knapp 33 Jahre in der großen St. Bonifatius-Gemeinde in Hagen-Haspe, einige Jahre dann zusätzlich auch in den Nachbargemeinden Hagen-Wehringhausen/Kuhlerkamp und Hagen-Haspe-Westerbauer.
Außerdem war ich in den 1980er Jahren fünf Jahre lang als gewählter Regional-Dekan in der damaligen "Seelsorge-Region Ruhr-Mark" (mit den sechs Dekanaten Witten, Hagen, Iserlohn, Menden, Unna und Hamm) nebenamtlich tätig, hauptsächlich im Bereich von Bildung, Förderung von Teamarbeit, Pfarrgemeinderats-Schulungen, Weiterbildung und Begleitung von Seelsorger/inne/n (Diakone, Vikare, Pfarrer, Gemeindereferent/inn/en) u.a.
Und schließlich habe ich seit 2010, also seit Beginn meines Ruhestandes, in dem ich wieder in meinem Heimatdorf Serkenrode lebe (ca. 700 Einwohner, Gemeinde Finnentrop, Kreis Olpe) in 15 verschiedenen Dörfern (und auch im Hochsauerlandkreis) jahrelang regelmäßig Vertretungen gemacht.

An all diesen Orten habe ich Frauen und Männer und auch Jugendliche kennengelernt, die mit großem Einsatz und mit Kompetenz sich eingesetzt haben für das Glaubensleben in ihren Kirchengemeinden, im Pfarrgemeinderat, im Kirchenvorstand, in den kirchlichen Vereinen, in der Liturgie, in der Bildungsarbeit, z.B. in der Bibelarbeit, in der Kinder- und Jugendarbeit, bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion und auf die Firmung u.a. Immer geschah das in Zusammenarbeit mit anderen Mitarbeiter/inne/n, also in Teamarbeit. Ich habe an all diesen Orten, in all diesen Gemeinden, sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe keine Enttäuschungen erlebt, aber hohen Einsatz, viel Kompetenz, viel Zusammenhalt und viel Phantasie bei der Lösung von Konflikten.

Warum werden diese Erfahrungen, diese Kompetenzen und dieses Engagement nicht eingesetzt bei der Zukunftsplanung für die Kirchengemeinden? Könnten nicht alle Pfarreien und Pfarrvikarien erhalten werden, wenn man diese Erfahrungen mit den sogenannten "Laien" bei der Leitung der Gemeinden berücksichtigen und einsetzen würde? Natürlich im Team! Natürlich mit regelmäßiger Schulung und Weiterbildung, natürlich im Kontakt zu den Amtsträgern der Kirche, also zu den Diakonen, zu den Prietern, zum Bischof, und letztlich auch zum Papst.

Ein Beispiel:
In jedem Kirchenvorstand, und sei er noch so klein (zum Beispiel in einer kleinen Pfarrei nur sechs gewählte Personen) wird nach einer Neuwahl eine Stellvertreterin bzw. ein Stellvertreter des Leiters/Pfarrers gewählt. Ein Pfarrer kann sich also bei der Leitung von Kirchenvorstandssitzungen und - beschlüssen vertreten lassen. Warum kann dann die bisherige Stellvertreterin / der bisherige Stellvertreter nicht die Gesamtleitung des Kirchenvorstandes übernehmen? Natürlich kann dafür der Kontakt zu den Amtsträgern verbindlich geregelt werden. Da es sich beim Kirchenvorstandsrecht um Staats-Kirchenrecht handelt, ist solch eine Lösung natürlich auch mit dem Staat zu verhandeln. Aber für den Staat dürfte eine solche Lösung kein Problem sein.

Und ähnlich wie beim Kirchenvorstand könnte das auch beim Pfarrgemeinderat gehen. Die bei den jetzt geplanten Lösungen "vergessenen" sogenannten "Laien" können erheblich mehr, als ihnen zur Zeit zugetraut wird. Bei Neuwahlen zum KV und zum PGR soll es in vielen Gemeinden schon äußerst schwierig sein, Kandidatinnen oder Kandidaten zu finden. In einigen Gemeinden sind deshalb wohl schon Wahlen ausgefallen.

Ich nehme aber an, dass sich bei den Lösungen, die ich gerade vorgeschlagen habe, überall wieder Kandidatinnen und Kandidaten für Wahlen finden würden. Nur der "Klerikalismus" steht solchen oder ähnlichen Regelungen und Lösungen im Wege.

"Glaube braucht Heimat", so lautet das Motto in St. Bonifatius Hagen-Haspe bei den Anstrengungen zur Erhaltung der Selbständigkeit. Und Heimat braucht Nähe und Gemeinschaft, also Gemeinde. Beides ist nicht über 30 oder 40 oder 50 km zu haben.

Finnentrop-Serkenrode, 11. September 2026
Werner König (Pfr. i.R.)




"Wie der Hl.Geist nach Hagen-Haspe kam"
- Ein Sommermärchen -


Liebe Kinder Gottes,

es war einmal eine Kirche, die war den Menschen so nahe, dass viele ihre Heimat dort fanden.

"Nicht mehr zeitgemäß", ertönte es eines Tages aus Paderborn, "ohne Strukturreformen habt ihr keine Chance". Da übernahmen das Regiment die Herren Generalvikare und sagten: "600 Pfarreien sind 579 zuviel, 21 Gemeinden reichen".

Erzürnt vernahm dieses der Hl. Geist und machte sich auf den Weg nach Paderborn.
Doch dort konnte er nicht landen, denn alle Landeplätze waren bereits besetzt - durch Unternehmensberater der Herren Generalvikare.
Als er nun hörte, die Gemeinde St. Bonifatius in Hagen-Haspe widersetze sich leidenschaftlich den Plänen der Herren Generalvikare, beschloss er, seinen Geist dort wehen zu lassen, wo die Gemeinde ihm bereits einen roten Teppich ausgerollt hatte.

Seitdem kämpfen beide - Seite an Seite - gegen Seelsorgeräume, die diesen Namen nicht verdienen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, kämpfen sie noch heute.

 
jmf/hg.8.9.26






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